Kornmarkt-Madonna Heidelberg: Geschichte
Die Kornmarkt-Madonna ließ Kurfürst Carl Philipp 1718 errichten. Auf dem Platz steht eine Kopie von Hans Fries, das Original ist im Kurpfälzischen Museum.
Die Kornmarkt-Madonna ist eine barocke Mariensäule in der Mitte des Kornmarkts in der Heidelberger Altstadt. Kurfürst Carl Philipp ließ sie 1716 bis 1718 als Zeichen der Gegenreformation errichten. Die Figur wird dem Düsseldorfer Hofbildhauer Peter van den Branden zugeschrieben. Auf dem Platz steht heute eine Kopie von Hans Fries, das Original verwahrt das Kurpfälzische Museum.
| Kurzfakten | |
|---|---|
| Standort | Mitte des Kornmarkts, Altstadt, direkt unterhalb des Schlosses |
| Entstehung | um 1716/17, vollendet 1718 |
| Auftraggeber | Kurfürst Carl Philipp von der Pfalz |
| Bildhauer | vermutlich Peter van den Branden (Zuschreibung über Stilvergleich) |
| Gesamthöhe | 7,38 m (Figur, Postament und Sockel) |
| Auf dem Platz | Kopie von Hans Fries, 1938 bis 1940 |
| Original | Kurpfälzisches Museum, Hauptstraße 97 |
| Eintritt | Platz frei zugänglich, rund um die Uhr |
| Anfahrt | Bus 20 und 36 bis Haltestelle Rathaus/Bergbahn; Parkhaus P12 Kornmarkt/Schloss |
Wer hat die Kornmarkt-Madonna geschaffen?
Die Landesdenkmalpflege Baden-Württemberg schreibt die Figur “vermutlich” dem Düsseldorfer Hofbildhauer Peter van den Branden zu. Die Zuschreibung beruht auf Stilvergleichen. Als Quelle für die Entstehung dient unter anderem eine Inschrift, die Wickenburgs Werk Thesaurus Palatinus überliefert.
Die Chronik des Heidelberger Geschichtsvereins verzeichnet für 1718 knapp: Kurfürst Carl Philipp lässt auf dem Kornmarkt eine Marienstatue errichten, Bildhauer Peter van den Branden.
Warum steht eine Madonna auf dem Kornmarkt?
Die Madonna ist ein politisches Denkmal. Heidelberg war seit der Reformation überwiegend reformiert, die regierenden Kurfürsten aus dem Haus Pfalz-Neuburg dagegen katholisch. Die Landesdenkmalpflege nennt als Hintergrund ausdrücklich “die von der katholischen Linie Pfalz-Neuburg betriebene Gegenreformation”.
Wie angespannt das Verhältnis war, zeigt der Streit um die Heiliggeistkirche am Marktplatz, nur wenige Schritte entfernt. Carl Philipp, Kurfürst seit 1716, geriet mit dem reformierten Kirchenrat über die Nutzung der Kirche aneinander. Nach Darstellung der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg entschied er sich im Streit mit der protestantischen Bürgerschaft, die Residenz nach Mannheim zu verlegen; dort wurde 1720 der Grundstein des Mannheimer Schlosses gelegt. Die Mariensäule entstand also in den letzten Jahren, in denen Heidelberg noch Residenzstadt war.
Was die Figur darstellt
Die Darstellung folgt dem Typus der apokalyptischen Madonna, auch “Maria vom Siege” genannt. Die Landesdenkmalpflege beschreibt die Einzelheiten so:
- Maria zertritt die Paradiesschlange, die sich auf einer Weltkugel windet.
- Krone und Zepter weisen sie als Himmelskönigin aus.
- Das Jesuskind ersticht die Schlange mit der Kreuzeslanze und zeigt das Siegeszeichen.
- Strahlenkranz mit zwölf Sternen und Lilienblätter am Zepter verweisen auf die Unbefleckte Empfängnis (Immaculata).
- Vier Engelputten stemmen Wolken unter der Weltkugel, ein Hinweis auf die Himmelfahrt.
Stilistisch ordnet die Denkmalpflege die Figur dem klassizistischen Strang des Spätbarock zu und nennt als Vergleich die Silberstatue in der Jesuitenkirche Luzern von 1701.
Material und Aufbau
| Bauteil | Material |
|---|---|
| Madonnenfigur | roter Sandstein |
| Krone, Zepter, weitere Attribute | Kupfer, Messing, Eisen |
| Strahlen am Postament | Stahlblech, in Blei verankert |
| Sockel mit Schriftplatte | Buntsandstein |
| Brunnenschalen | Sandstein |
| Wasserspeier | Bronze |
Vergoldet sind Krone, Gewandsäume, die Weltkugel und die Metallteile.
Vom Denkmal zum Brunnen: die Bauphasen
Die Säule sah nicht immer so aus wie heute. Die Bauforschungsdatenbank des Landes listet die Veränderungen:
| Zeitraum | Maßnahme |
|---|---|
| 1716 bis 1718 | Errichtung der Mariensäule |
| um 1830 | Sockel durch ein achteckiges Brunnenbecken ersetzt |
| 1870 bis 1890 | Quadersockel mit drei Muschelbecken |
| 20. Jahrhundert | getreppter Podest mit Kettenpfosten |
| 1938 bis 1940 | Kopie von Hans Fries, Original ins Kurpfälzische Museum |
| 1968 bis 1986 | zerstörter Arm des Christuskindes durch F. Berger ersetzt |
| 1978 | Gesims beim Abriss des Hotels “Prinz Carl” beschädigt und erneuert |
| 1986 bis 1990 | Restaurierung und Ausbesserungen |
Die drei Brunnenschalen, die Sie heute sehen, gehen also auf das späte 19. Jahrhundert zurück, nicht auf 1718.
Original oder Kopie?
Die Madonna auf dem Kornmarkt ist eine Kopie. Der Bildhauer Hans Fries fertigte sie Ende der 1930er Jahre an; die Landesdenkmalpflege datiert sie auf 1938 bis 1940. Das Original aus rotem Sandstein kam aus konservatorischen Gründen ins Kurpfälzische Museum. Für den genauen Zeitpunkt der Überführung nennen die Quellen unterschiedliche Jahre: Die Chronik des Heidelberger Geschichtsvereins verzeichnet die Kopie für 1939 und das Original “seit 1940” im Museum, an anderer Stelle 1949.
Ob das Original gerade in der Dauerausstellung zu sehen ist, sollten Sie vor einem Museumsbesuch an der Kasse erfragen (Telefon 06221 58 34020). Das Museum in der Hauptstraße 97 ist laut Website dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, montags geschlossen (Stand Oktober 2026).
Auch die Kopie wurde schon beschädigt: In der Nacht zum 25. August 2022 brachen Unbekannte laut Heidelberg24 mehrere Sterne aus dem Strahlenkranz.
Der Kornmarkt: vom Spital zum Platz
Der Kornmarkt ist jünger als die Altstadt um ihn herum. Im Mittelalter stand hier ein Spital. Laut Chronik des Heidelberger Geschichtsvereins wurde das mittelalterliche Spital auf dem “Neuen Markt” Mitte des 16. Jahrhunderts abgebrochen; der Name Kornmarkt setzte sich erst später durch. Für 1708 vermerkt die Chronik, dass der Kornmarkt freigelegt wurde.
Rund um den Platz lohnt ein Blick auf:
- Palais Graimberg (Kornmarkt 5), erbaut 1713. Die Stadt zählt es zu ihren “royalen Orten”.
- Palais Prinz Carl (Kornmarkt 1), ehemals Grandhotel, heute städtisches Gebäude mit Spiegelsaal. Mehr dazu im Beitrag zum Palais Prinz Carl.
- Rathaus (Marktplatz 10) an der Nordseite, mit dem Standesamt.
Blick zum Schloss und Fotostandort
Der Kornmarkt liegt direkt unter dem Schlossberg. Von der Hauptstraße aus sehen Sie die Madonna im Vordergrund und die Ruine des Heidelberger Schlosses darüber. Diesen Blick auf Madonnenbrunnen und Schlossruine nennt auch Heidelberg Marketing als Kulisse für Trauungen im benachbarten Spiegelsaal.
Bergbahn-Talstation am Kornmarkt
Am Südrand des Platzes beginnt der Burgweg, der zu Fuß zum Schloss führt. Wer nicht laufen möchte, nimmt die Bergbahn: Die Talstation “Kornmarkt” liegt in der Zwingerstraße 20. Die Bahn fährt über die Stationen Schloss und Molkenkur zum Königstuhl. Die untere Strecke Kornmarkt, Schloss, Molkenkur wurde am 30. März 1890 eröffnet, damals noch mit Wasserballast als Antrieb.
Wichtig für Ihre Planung: Laut Betreiber Heidelberger Straßen- und Bergbahn GmbH ruht der Betrieb vom 4. Oktober 2027 bis einschließlich 7. April 2028; zwischen Kornmarkt, Schloss und Molkenkur ist dann ein Bus-Ersatzverkehr vorgesehen. Fahrplan und Preise stehen auf bergbahn-heidelberg.de. Ausführlich: Bergbahn zum Königstuhl.
Anfahrt
- Bus: Linien 20 und 36 bis Haltestelle Rathaus/Bergbahn. Die Linie 36 fährt ab Bismarckplatz (Steig E, Richtung Ziegelhausen Köpfel).
- Zu Fuß: vom Bismarckplatz durch die Hauptstraße bis zum Kornmarkt.
- Auto: Parkhaus P12 Kornmarkt/Schloss in der Neuen Schlossstraße, direkt an der Bergbahn, rund um die Uhr geöffnet, Einfahrtshöhe 1,80 m. An Wochenenden und Feiertagen ist es oft voll; Ausweichmöglichkeiten sind P6 Henschel (Untere Neckarstraße 2) und P10 Friedrich-Ebert-Platz.
Häufige Fragen
Wer hat die Kornmarkt-Madonna gemacht?
Die Figur wird dem Düsseldorfer Hofbildhauer Peter van den Branden zugeschrieben. Die Kopie auf dem Platz schuf Hans Fries Ende der 1930er Jahre.
Wie alt ist die Kornmarkt-Madonna?
Die Mariensäule wurde 1718 vollendet. Die Figur, die Sie heute auf dem Platz sehen, ist eine Kopie von 1938 bis 1940. Die Brunnenschalen kamen erst im 19. Jahrhundert dazu.
Wo steht die originale Kornmarkt-Madonna?
Im Kurpfälzischen Museum, Hauptstraße 97. Sie wurde aus konservatorischen Gründen vom Platz genommen. Ob sie aktuell ausgestellt ist, erfragen Sie am besten vorab beim Museum.
Warum ließ Kurfürst Carl Philipp die Madonna aufstellen?
Als katholischer Herrscher einer überwiegend reformierten Stadt setzte er mit der Mariensäule ein Zeichen der Gegenreformation. Zur selben Zeit stritt er mit dem reformierten Kirchenrat um die Heiliggeistkirche und verlegte 1720 die Residenz nach Mannheim.
Was bedeuten Schlange und Sterne an der Figur?
Maria zertritt die Paradiesschlange, das Kind ersticht sie mit der Kreuzeslanze: ein Bild für den Sieg über das Böse. Der Strahlenkranz mit zwölf Sternen und die Lilien am Zepter stehen für die Unbefleckte Empfängnis.
Wie komme ich vom Kornmarkt zum Schloss?
Zu Fuß über den Burgweg, der am Südrand des Platzes beginnt, oder mit der Bergbahn ab Talstation Kornmarkt (Zwingerstraße 20) bis zur Station Schloss.
Quellen
- Bauforschung Baden-Württemberg: Kornmarkt-Madonna in Heidelberg-Altstadt
- Heidelberger Geschichtsverein: Chronik 1700 bis 1799
- Heidelberger Geschichtsverein: Chronik 1933 bis 1944
- Heidelberger Geschichtsverein: Chronik 1850 bis 1899
- Staatliche Schlösser und Gärten: Carl Philipp von der Pfalz
- Stadt Heidelberg: Royale Orte in Heidelberg (Palais Graimberg, Palais Prinz Carl)
- Heidelberg Marketing: Heiraten im Palais Prinz Carl
- Stadt Heidelberg: Parkleitsystem
- Kurpfälzisches Museum Heidelberg: Besuch und Öffnungszeiten
- Bergbahn Heidelberg: Startseite und Betriebsunterbrechung
- Bergbahn Heidelberg: Anfahrt zur Talstation
- rnv: Haltestellenplan Bismarckplatz
- Heidelberg24: Sterne der Kornmarkt-Madonna gestohlen (26.08.2022)
- Wikipedia: Kornmarkt (Heidelberg) (ergänzend)
Stand der Angaben: 12. Oktober 2026.