Wissenswertes
Heidelberger Studentenleben
Vom Karzer bis zu den Korpsstudenten, von Schnookeloch bis zur Untere Straße - wie Studieren in Heidelberg seit 600 Jahren funktioniert.
Der Karzer: Arrest als Statussymbol
Bis 1914 unterstanden Heidelberger Studenten nicht der städtischen Polizei, sondern der Gerichtsbarkeit ihrer Universität. Wer nachts randalierte, Laternen ausdrehte oder sich prügelte, wanderte in den Karzer in der Augustinergasse - ein paar Tage bis mehrere Wochen, Vorlesungsbesuch ausdrücklich erlaubt.
Aus der Strafe wurde ein Ritual. Die Insassen bemalten die Wände mit Namenszügen, Wappen und Silhouetten ihrer selbst, viele Schichten übereinander. Genau diese Wände sind der Grund, warum der Karzer heute besichtigt werden kann: Er ist weniger Gefängnis als Gästebuch aus mehr als hundert Jahren.
Verbindungen, Mensur und ihr langer Schatten
Das 19. Jahrhundert war in Heidelberg die Zeit der Korporationen. Farben, Kneipen, Fechtböden und die Mensur bestimmten das Bild des Studenten so stark, dass es bis heute im Ausland als Heidelberg-Klischee funktioniert - transportiert vor allem durch das Schauspiel "Alt-Heidelberg" und dessen Verfilmungen.
Zahlenmäßig ist davon wenig geblieben: Die große Mehrheit der rund 28.000 Studierenden hat mit Verbindungen nichts zu tun. Die Häuser am Hang sind trotzdem unübersehbar, und die Debatte über ihren Umgang mit der eigenen Geschichte flammt regelmäßig wieder auf.
Wo heute studiert und ausgegangen wird
Der Alltag hat sich vom Klischee gelöst und geografisch geteilt. Gelernt wird in der Universitätsbibliothek am Universitätsplatz und im Neuenheimer Feld, gewohnt oft in Bergheim, der Weststadt oder Rohrbach, weil die Altstadt kaum bezahlbar ist.
Ausgegangen wird nach wie vor in der Unteren Straße, die auf wenigen hundert Metern eine ungewöhnliche Kneipendichte hat. Historische Adressen wie das Schnookeloch oder der Rote Ochsen existieren weiter, sind aber längst eher Touristenziel als Studentenlokal.
