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Karzer Heidelberg: Studentenkarzer besuchen

Im Heidelberger Studentenkarzer saßen bis 1914 Studenten ihre Strafen ab. Öffnungszeiten, Preise, Haftgründe und Wandmalereien in der Augustinergasse 2.

von Heidelberg-Interaktiv ·

Der Studentenkarzer ist das ehemalige Universitätsgefängnis der Universität Heidelberg in der Augustinergasse 2, direkt hinter der Alten Universität. Die fünf heute zugänglichen Zellen entstanden 1823; der letzte Häftling wurde im Februar 1914 entlassen. Berühmt sind die Malereien und Sprüche, mit denen Studenten Wände und Decken bedeckten. Der Eintritt kostet laut Universität 7,50 Euro.

Kurzfakten
AdresseAugustinergasse 2, 69117 Heidelberg
BetreiberUniversität Heidelberg (heiCOLLECTIONS)
Öffnungszeiten Winter (Mitte Oktober bis Mai)Mo bis Sa 10:30 bis 16 Uhr, letzter Einlass 15:15 Uhr
Öffnungszeiten Sommer (Juni bis Mitte Oktober)Mo bis So 10 bis 18 Uhr, Pause 13:45 bis 14:15 Uhr, letzter Einlass 17:15 Uhr
EintrittKombiticket 7,50 Euro, ermäßigt 5 Euro; montags Karzer-Ticket 6 Euro, ermäßigt 4 Euro
FreiStudierende der Universität Heidelberg mit Ausweis
Ticketsvor Ort im Unishop, Reservierung bis 2 Wochen vorher: 06221 541 2815
BarrierefreiheitZellen im 2. Stock, nur über Treppen erreichbar
ÖPNVHaltestellen Universitätsplatz, Marstallstraße oder Peterskirche
ParkenParkhaus P11 Unibibliothek (Graben-/Sandgasse)

Alle Zeiten und Preise: Stand Oktober 2026, laut Website der Universität.

Was ist ein Karzer?

Ein Karzer ist ein Arrestraum an Universitäten und Gymnasien. Der Duden nennt zwei Bedeutungen: den Raum selbst und die Haftstrafe, die man dort verbüßte (“drei Tage Karzer bekommen”). Das Wort geht auf das lateinische carcer zurück, Kerker.

Möglich war das, weil Universitäten bis ins 19. Jahrhundert eine eigene Gerichtsbarkeit über ihre Studenten hatten. Die Universität Heidelberg erhielt dieses Recht schon bei ihrer Gründung; eine Karzerstrafe ist laut Universität bereits für 1387 belegt.

Geschichte: vom Lindenplatz in die Augustinergasse

Der Karzer zog mehrmals um. Die Universität hat die Stationen im Studium-Journal 2009 und auf ihrer Sammlungsseite zusammengefasst:

JahrEreignis
1386Urkunde Kurfürst Ruprechts regelt, wer Karzerstrafen verhängen darf
1387erste belegte Karzerstrafe
1545erster fester Karzer in einem kleinen Haus am Lindenplatz (heute etwa Schulgasse 4)
Anfang 17. Jh.Karzerräume im Casimirianum
ab 1712zwei Zellen unter der Treppe im Neubau der Alten Universität; die Tür ist im barocken Treppenhaus noch zu sehen
Ende 18. Jh.die feuchtkalten Zellen gelten als gesundheitsschädlich und werden geschlossen
1784Ankauf des Coblitz-Anwesens in der Augustinergasse
1823Bau der fünf Zellen, die heute zu besichtigen sind; die neuen Räume werden beheizt, Betten ersetzen das Stroh
1879Höchstdauer der Haft auf zwei Wochen begrenzt
Februar 1914Franz Schandelmaier wird als letzter Häftling entlassen
1920neue Universitätsstatuten beenden die Einrichtung auch formal

Eine oft genannte Jahreszahl ist 1778. In den Unterlagen der Universität taucht sie nicht auf; die Universität nennt 1784 für den Ankauf des Hauses in der Augustinergasse und 1823 für die heutigen Zellen.

Warum kamen Studenten in den Karzer?

Laut Universität waren die häufigsten Haftgründe:

  • nächtliche Ruhestörung durch lautes Singen in den Gassen
  • Fehlverhalten in der Öffentlichkeit nach zu viel Alkohol
  • zerschlagene Straßenlaternen
  • nächtliches Baden im Marktplatzbrunnen
  • Duelle, die verboten waren
  • Widerstand gegen die Staatsgewalt, meist das Verspotten von Polizisten

Die Strafe dauerte gewöhnlich drei bis sieben Tage. Seit 1879 lag die Obergrenze bei zwei Wochen.

Wie war die Haft?

Streng war sie nicht unbedingt. Die Karzerordnung von 1853 sah laut Universität pro Tag einen Schoppen Wein, also einen halben Liter, und zwei Flaschen Bier vor. Das Studium-Journal der Universität beschreibt die Karzerzeit der Burschenschaften als “bierselige Burleske”.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts galt es für manche Studenten sogar als eine Art Sport, mindestens einmal im Karzer gesessen zu haben.

Graffiti und Wandmalereien

Was den Heidelberger Karzer bekannt macht, sind die Wände. Während ihrer Haft bemalten die Studenten Wände und Decken mit aufwendigen Bildern und Gedichten, mit improvisierten Mitteln. Das Studium-Journal der Universität spricht von bunten Graffiti und frechen Sprüchen, die über rund 30 Jahre hinweg entstanden, eine Schicht über der anderen.

Die Malereien zu erhalten ist laut Universität eine große Herausforderung. Deshalb dürfen Sie den Karzer nur ohne Jacke und Tasche betreten; beides kommt vorher in Schließfächer. Zum Ensemble gehört auch der sogenannte Thronsaal; das Ganze gilt heute als Kulturdenkmal.

Besuch: Öffnungszeiten, Tickets, Kombiticket

Tickets gibt es vor Ort im Unishop der Universität, ebenfalls Augustinergasse 2. Es werden Zeitfenster-Tickets verkauft. Wer planbar ohne Wartezeit hinein will, reserviert bis zu zwei Wochen im Voraus telefonisch unter 06221 541 2815.

Preise (Stand Oktober 2026, laut Universität):

TicketErwachseneErmäßigt
Kombiticket Universitätsmuseum, Sonderausstellung, Karzer7,50 Euro5,00 Euro
Sonderticket Karzer (wenn das Universitätsmuseum geschlossen ist, also montags)6,00 Euro4,00 Euro
Schulklassen ab 10 Personen, pro Person3,50 Euro

Studierende der Universität Heidelberg haben mit gültigem Studentenausweis freien Eintritt. Eine Lehrkraft pro Schulgruppe ist frei.

Öffnungszeiten: Der Karzer hat zwei Saisonzeiten. Im Winter (Mitte Oktober bis Mai) ist montags bis samstags von 10:30 bis 16 Uhr geöffnet. Im Sommer (Juni bis Mitte Oktober) täglich von 10 bis 18 Uhr mit Mittagspause von 13:45 bis 14:15 Uhr. Der letzte Einlass ist jeweils 45 Minuten vor Schluss.

Universitätsmuseum und Alte Aula

Das Kombiticket schließt das Universitätsmuseum in der Alten Universität ein. Das Museum hat eigene Zeiten: im Winter (Mitte September bis Mai) dienstags bis samstags 10:30 bis 16 Uhr, im Sommer dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr. Montags ist das Museum zu, deshalb gibt es an diesem Tag das günstigere Karzer-Ticket.

Die Alte Aula gehört laut Universität nicht zu den Museumsräumen. Sie ist nur zugänglich, wenn dort keine Veranstaltung stattfindet; im Kombiticket wird sie nicht aufgeführt.

Gibt es eine Führung durch den Studentenkarzer?

Regelmäßige öffentliche Führungen nennt die Universität auf ihrer Karzer-Seite nicht. Sie besichtigen die Zellen selbstständig mit Ihrem Zeitfenster-Ticket.

Gruppen und Schulklassen ab 15 Personen melden sich zwei bis vier Wochen vorher an. Im Winter gibt es Zeitfenster vormittags ab 10:45 Uhr, im Sommer vormittags ab 10:15 Uhr und nachmittags ab 14:30 Uhr. Anfragen gehen an [email protected].

Anfahrt und Lage

Der Karzer liegt in der Augustinergasse 2, direkt angrenzend an die Alte Universität am Universitätsplatz.

  • Bus: Haltestellen Universitätsplatz, Marstallstraße oder Peterskirche. Vom Bismarckplatz fahren die Linien 29 und 33 zum Universitätsplatz (Steig C), die Linie 31 über Peterskirche (Steig I).
  • Auto: Parkhaus P11 Unibibliothek, Zufahrt über die Sandgasse.
  • Zu Fuß: Vom Bismarckplatz durch die Hauptstraße bis zum Universitätsplatz.

In der Nähe liegen die Universitätsbibliothek, die Peterskirche und der Marstall am Neckar.

Häufige Fragen

Was bedeutet Karzer?

Karzer bezeichnet einen Arrestraum an Universitäten und Gymnasien und zugleich die Haftstrafe, die dort verbüßt wurde. Das Wort kommt vom lateinischen carcer, Kerker.

Wie lange war der Studentenkarzer in Heidelberg in Betrieb?

Karzerstrafen gab es an der Universität seit dem 14. Jahrhundert. Die heutigen Zellen in der Augustinergasse 2 entstanden 1823. Im Februar 1914 verließ Franz Schandelmaier als letzter Häftling den Karzer, 1920 endete die Einrichtung auch formal.

Was kostet der Eintritt in den Studentenkarzer?

Das Kombiticket mit Universitätsmuseum und Sonderausstellung kostet 7,50 Euro, ermäßigt 5 Euro. Montags gibt es ein Karzer-Ticket für 6 Euro, ermäßigt 4 Euro. Studierende der Universität Heidelberg zahlen nichts (Stand Oktober 2026).

Wann hat der Studentenkarzer geöffnet?

Von Mitte Oktober bis Mai montags bis samstags 10:30 bis 16 Uhr, von Juni bis Mitte Oktober täglich 10 bis 18 Uhr mit Pause von 13:45 bis 14:15 Uhr. Letzter Einlass 45 Minuten vor Schluss.

Gibt es Führungen durch den Karzer?

Öffentliche Führungen nennt die Universität nicht, der Besuch läuft selbstständig mit Zeitfenster-Ticket. Gruppen ab 15 Personen müssen sich zwei bis vier Wochen vorher anmelden.

Wofür kam man in den Karzer?

Für nächtliches Singen, Trunkenheit in der Öffentlichkeit, zerschlagene Laternen, Baden im Marktplatzbrunnen, Duelle oder das Verspotten von Polizisten. Meist dauerte die Haft drei bis sieben Tage.

Quellen

Stand der Angaben: 12. Oktober 2026.